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24.10.2018

Graffiti-Künstler verschönern Haltestelle in der Karlsruher Nordweststadt

Leuchtendes Bunt statt tristes Grau: Graffiti-Künstler vom Hip-Hop Kulturzentrum „Combo“ haben die Haltestelle Kurt-Schumacher-Straße in den vergangenen Wochen mit einem riesigen Wandgemälde farbenfroh umgestaltet. Foto: Paul Gärtner

Stadtgeschichte aus der Sprühdose: In der Karlsruher Nordweststadt ist in den vergangenen Wochen ein echter Hingucker für Fahrgäste und Anwohner entstanden. An der Haltestelle Kurt-Schumacher-Straße haben Graffiti-Künstler vom Hip-Hop Kulturzentrum „Combo“ – einer Einrichtung der Mobilen Jugendarbeit – über den Sommer ein farbenfrohes Wandgemälde auf die einst trostlosen, grauen Flächen gezaubert. Mit über 1.500 Quadratmetern ist es die größte mit Graffiti-Street Art gestaltete Fläche in Karlsruhe.

Das Kunstwerk nimmt Bezug zur Stadtgeschichte und zeigt sechs historische Persönlichkeiten, deren Biographie oder Wirken eng mit der Fächerstadt oder ihren Institutionen in Verbindung steht. Zu sehen sind Egon von Neindorff, der Begründer des gleichnamigen berühmten Reitinstituts, die Frauenrechtlerin Anna Ettlinger, der langjährige Vorsitzende des örtlichen Bürgervereins Karl Heinrich Ott und die Sozialdemokratin Elisabeth Selbert, die sich maßgeblich dafür eingesetzt hatte, die Gleichberechtigung von Mann und Frau ins Grundgesetz aufzunehmen. Eine Wegbereiterin für viele berufstätige Frauen war Magdalena Neff. Sie schrieb sich 1904 als erste Studentin an der Technischen Hochschule Karlsruhe ein und war die erste approbierte Apothekerin Deutschlands. Natürlich grüßt auch das Konterfei von Kurt Schumacher selbst, einem der Gründerväter der Bundesrepublik, die vorbeifahrenden Fahrgäste.

Kreative Subkultur statt Stigmatisierung

„Diese Persönlichkeiten im öffentlichen Raum mit einer modernen Bildsprache darzustellen und dadurch Menschen einen Zugang zu Graffiti als Kunstform zu eröffnen, war für uns ein sehr anspruchsvolles und spannendes Projekt. Gleichzeitig wollen wir mit unser Arbeit weiter dazu beitragen, Graffiti als kreative Subkultur von ihrer kriminellen Stigmatisierung befreien“, erklärt Künstler „Baske ToBeTrue“. Zusammen mit seinen Kollegen „Moter.One“, „Sier“, „Super Soker“, „Abyz One“ und „Alu“ gestaltete er die Haltestelle und deren Aufgänge mit rund 500 Sprühdosen und 350 Litern Wandfarbe farbenfroh um. Vor der eigentlichen Motivgestaltung hatte das „Combo“-Team in schweißtreibender Arbeit und mit Unterstützung des städtischen Gartenbauamtes die Betonwände rund um die Haltestelle mit Gartenscheren, Metallbürsten und Hochdruckreinigern von Vegetation und Schmutz befreit.

Die Kurt-Schumacher-Straße ist die inzwischen dritte Haltestelle, die die Künstler des „Combo“ im Auftrag des Karlsruher Verkehrsverbundes auf dem Streckenast der Stadtbahnlinie S1/11 in den vergangenen zwölf Monaten umgestaltet haben – auch an den Haltestellen Haus Bethlehem und August-Bebel-Straße haben die „Combo“-Künstler mit großflächige Graffitis den öffentlichen Raum verschönert. Abgestimmt wurden die jeweiligen Auftragsarbeiten mit dem Tiefbauamt und der städtischen Kunstkommission. Die Farbgebung ist an das Corporate Design der Stadt Karlsruhe, aber auch an die Umgebung und die Haltestellen angepasst.

Bürger erhalten neuen Zugang zur Stadtgeschichte

Das neue Graffiti-Kunstwerk der Kurt-Schumacher-Straße beeindruckt die Anwohner und Fahrgäste, nicht nur ob seiner Dimension und der gleichzeitig filigranen Arbeit: „Wir haben während des Projekts viele positive Rückmeldungen erhalten. Viele Leute, die an der Haltestelle vorbeikamen, kannten bereits unsere Arbeiten an den beiden anderen Haltestellen und waren sehr gespannt darauf, was nun hier an der Kurt-Schumacher-Straße entsteht und welche Persönlichkeiten wir dieses Mal portraitieren“, berichtet „Baske ToBeTrue“ von seinen Erfahrungen der letzten Wochen. Durch das Street Art-Projekt hat sich nicht nur das Gesicht der Haltestelle verändert. „Die Menschen bekommen über unsere Kunst auch einen völlig neuen Zugang zu ihrer Stadtgeschichte. Dies zu beobachten und mit den Menschen darüber ins Gespräch zu kommen, ist sehr spannend.“

Weitere Informationen zum Hip-Hop Kulturzentrum „Combo“