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Fahrausweisprüfer wird zum Lebensretter

Lebensretter: Georg Reinacher zögerte nicht, als ein Fahrgast an der Haltestelle Tullastraße einen Herzinfarkt hatte und schnelle Hilfe benötigte.

Es sollte eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag für Georg Reinacher werden. Der Fahrausweisprüfer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) hatte am ersten Tag der Sommerferien seinen Dienst an einem Informationsstand an der Haltestelle Tullastraße aufgenommen, um als Ansprechpartner für Fahrgäste diese über die Sommerbaustellen und ihre Reisemöglichkeiten zu informieren. Unvermittelt wurde der 52-jährige an diesem Donnerstagvormittag zum Lebensretter für einen Rentner aus Blankenloch.

Dieser war auf dem Heimweg von einem Arzttermin in der Karlsruher Innenstadt und wartete an der Tullastraße nach seinem Ausstieg aus der Stadtbahnlinie S7 auf seine Weiterfahrt mit Buslinie 12. „Ich merkte, dass mit dem Mann etwas nicht stimmte, als dieser sich plötzlich ans Geländer der Haltestelle klammerte. Ich bin dann schnell zu ihm hingeeilt und habe ihn angesprochen. Schnell wurde klar, dass er dringend ärztliche Hilfe benötigte. Deshalb habe ich sofort einen Krankenwagen gerufen“, schildert Reinacher die dramatischen Minuten.

"Erste-Hilfe-Schulungen haben mir in dieser Situation sehr geholfen"

Bis zum Eintreffen des Notarztes stabilisierte der Fahrausweisprüfer den Fahrgast, legte seine Füße hoch und hielt ihn mit Gesprächen bei Bewusstsein. „Ich habe intuitiv gehandelt und in dem Moment einfach das abgerufen, was wir als Fahrausweisprüfer in den regelmäßigen Erste-Hilfe-Schulungen vermittelt bekommen. Das hat mir in dieser Situation sehr geholfen“, erklärt Reinacher.

Nach dem Eintreffen des Krankenwagens und der notärztlichen Erstversorgung wurde der Rentner sofort ins Klinikum gebracht. Diagnose: Herzinfarkt. In einer Notoperation setzten ihm die Ärzte einen Herzschrittmacher ein. „Inzwischen ist der Fahrgast Gott sei Dank wieder auf dem Wege der Besserung, es geht ihm den Umständen entsprechend schon wieder ganz gut“, zeigt sich Reinacher erleichtert über den Ausgang der Rettungsaktion. Bei den VBK hat sich der Fahrgast bereits in einer E-Mail für den vorbildlichen Einsatz von Reinacher und dessen Hilfe bedankt. Sobald es ihm besser geht, möchte er dies auch noch persönlich tun. „Vielleicht treffen wir uns mal auf einen Kaffee. Denn als wir auf den Rettungswagen warteten, haben wir festgestellt, dass wir zufällig beide aus Blankenloch kommen und nur ein paar Straßen voneinander wohnen. Schon komisch, was das Leben manchmal für Geschichten schreibt“, so Reinacher.

Seit 1991 arbeitet Reinacher für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe. Er gehört zu rund 200 Fahrausweisprüfern, die für das kommunale Verkehrsunternehmen bzw. den Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) im Einsatz sind. Hierzu zählen neben einem festen Stamm von eigenen Mitarbeitern auch Werkstudenten und Mitarbeiter von externen Sicherheitsfirmen.

Mehr als nur Fahrkartenkontrolle

Die Arbeit der Prüfer beschränkt sich aber nicht auf das Kontrollieren von Fahrtausweisen in Bussen und Bahnen, sondern umfasst viele andere Tätigkeitsbereiche. „Wir setzen unsere Fahrausweisprüfer auch an Informationsständen oder als Servicekräfte bei großen Events ein, um etwa Besucherströme im Haltestellenbereich zu lenken“, erklärt Mary Joyce, Leiterin des Fahrausweisprüfdienstes.

Aufgrund ihrer facettenreichen Tätigkeit werden die Fahrausweisprüfer umfangreich geschult. „Unsere Mitarbeiter sind oft die ersten, die mit unseren Fahrgästen in ganz unterschiedlichen Situationen in Kontakt kommen, sei es in den Bussen und Bahnen oder an einer Haltestelle. Deshalb bilden wir unsere Mitarbeiter regelmäßig weiter, damit sie unseren Fahrgästen nicht nur kompetent Auskunft zu unseren Mobilitätsangeboten geben, sondern auch in kritischen Situationen angemessen reagieren können“, so Joyce. Neben der obligatorischen Streckenkunde durlaufen die Fahrausweisprüfer Schulungen zu Tarifangeboten und zu Strafrecht sowie ein Deeskalationstraining oder eben auch Erste-Hilfe-Kurse. Wie wichtig diese Schulungen und das regelmäßige Training sind, hat sich nun im Falle des Rentners aus Blankenloch gezeigt. „Ohne die Erste Hilfe von Herrn Reinacher hätte der Fahrgast womöglich nicht überlebt. Sein schnelles Handeln war absolut vorbildlich“, lobt Joyce ihren Mitarbeiter.

Ein Job für alle, die Spaß an der Arbeit mit Menschen haben

Studierende, die sich für eine Tätigkeit als Fahrausweisprüfer interessieren, können sich gerne an die Personalabteilung des Karlsruher Verkehrsverbundes wenden (Tullastraße 71, 76131 Karlsruhe). „Wir sind immer auf der Suche nach jungen Leuten, die Spaß an der Arbeit mit Menschen haben und die flexiblen Arbeitszeiten schätzen, die sich gut mit dem Studium vereinbaren lassen“, sagt Joyce.