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VBK und AfA testen „Abfallhai" am Hauptbahnhof

Mit dem Solar-Presshai erproben die VBK und das Amt für Abfallwirtschaft einen neuen High-Tech-Abfallsammelbehälter. Das erste Exemplar wurde heute am Karlsruher Hauptbahnhof aufgestellt. Charles Knecht (l.) von der Abfallhai Deutschland GmbH erklärt Stefan Oberacker (Mitte) von der VBK-Bahnmeisterei und AfA-Projekt- und Bezirksleiterin Nicole Schmidt (r.) die Funktionsweise des Müllverdichters.

Normalerweise schwimmen Haie im Meer und gehen dort auf Beutejagd. Seit heute wartet ein gefräßiger Raubfisch am Karlsruher Hauptbahnhof mit offenem Maul geduldig auf vorbeiziehende Nahrung in Form von leeren Kaffeebechern, Plastikflaschen oder Zigarettenkippen. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und das städtische Amt für Abfallwirtschaft (AfA) testen auf dem Bahnhofsvorplatz in den nächsten vier Wochen einen neuen HighTech-Abfallsammel-behälter mit integrierter Müllpresse, den so genannten Solar-Presshai.

Mittels dieser Presse lässt sich das Abfallvolumen im Inneren um das 5- bis 7-fache verdichten. So kann effektiv eine Füllmenge von 500 bis 700 Litern erreicht werden. Der Behälter muss dann seltener geleert werden als ein herkömmlicher Container. Online können die Mitarbeiter von VBK oder AfA jederzeit den Füllstand abrufen – und müssen nur bei Bedarf den Standort des Behälters anfahren um den vollen gegen einen leeren Müllsack auszutauschen. Durch das intelligente Abfallmanagement werden unnötige Leerfahrten vermieden, Benzinkosten und Abgasemissionen reduziert und das Service-Personal kann effektiver für andere Tätigkeiten eingesetzt werden.

Mehr Kapazität als herkömmliche Abfallsamelbehälter

Die Energie für den Pressvorgang, der ab einer zuvor festgelegten Füllstandhöhe automatisch ausgelöst wird, liefert ein leistungsstarkes Solarmodul auf dem Dach des Presshais. Das Modul ist um 360 Grad drehbar und kann mit einem Neigungswinkel von 25 Grad optimal nach der Sonne ausgerichtet werden. Akkus sorgen im Bedarfsfall dafür, dass die Technik auch an verregneten Herbsttagen oder nachts netzunabhängig funktioniert. Entwickelt wurde der aus trockengeschliffenem, hochwertigem Chromstahl gefertigte Müllverdichter von der Schweizer AntaSwiss AG, vertrieben wird er hierzulande von der Tochterfirma Abfallhai Deutschland GmbH.

„Besonders an stark frequentierten Ort in der Stadt, wie hier am Hauptbahnhof, kommen die herkömmlichen Mülleimer schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Sie quellen dann über bzw. müssen sehr häufig geleert werden. Wir versprechen uns von dem Einsatz des Solar-Presshais ein saubereres Stadtbild. Wir wollen nun in den nächsten Wochen wichtige Erfahrungswerte sammeln, bevor wir darüber entscheiden, ob wir weitere Exemplare erwerben möchten“, erklärt Nicole Schmidt, die das Pilotprojekt im AfA leitet. Nach dem Praxistest am Bahnhof soll der wartungsarme Presshai dann noch am Europaplatz für weitere vier Wochen Fast-Food-Verpackungen, Einwegbecher oder Pizzakartons schlucken. Jeden Tag werden in Karlsruhe etwa 500 Kilogramm Abfall in die öffentlichen Sammelbehälter geworfen. Weitere 500 Kilogramm landen auf den Straßen und werden dann von der Stadtreinigung entsorgt.

Intelligenstes Abfallmanagement spart Kosten

Auch bei den Verkehrsbetrieben Karlsruhe setzt man große Erwartungen in den smarten Müllverdichter. Rund 350 Abfallbehälter an den Bus und Bahnhaltestellen im Stadtgebiet muss der Reinigungstrupp der VBK-Bahnmeisterei täglich leeren. „Bei einem flächendeckenden Einsatz des Solar-Presshais könnten wir schätzungsweise rund 200.000 Euro allein durch die optimierte Leerung einsparen“, rechnet Stefan Oberacker von der Bahnmeisterei vor.

Die im Vergleich zu herkömmlichen Abfallcontainern höheren Anschaffungskosten von circa 8.000 Euro pro Presshai könnten sich so schnell amortisieren. „Die Kosten für den Einbau von konventionellen Unterflursammelbehältern mit einem ähnlichen Fassungsvermögen haben ohnehin eine vergleichbare Größenordnung, weil wir für die Installation das Erdreich aufgraben müssen. Das kostet auch Geld“, erklärt Oberacker und fügt an: „An vielen Stellen im Stadtgebiet können wir aufgrund der zahlreichen Leitungen und Kabel im Erdreich allerdings gar keine Unterflursammelbehälter installieren. Hier bietet uns der Presshai eine deutliche größere Flexibilität bei der Standortwahl. Wir könnten ihn beispielsweise auch bei Großveranstaltungen aufstellen, bei denen temporär größere Mengen an Abfall anfallen, etwa am Fest-Wochenende in der Günther-Klotz-Anlage“, beschreibt Oberacker weitere Vorteile des 183 Kilo schweren Müll-Raubfisches, der auch über eine automatisches Löschsystem verfügt. Dieses verhindert, dass durch den Einwurf einer noch glimmenden Zigarettenkippe der „Mageninhalt“ des Hais in Brand gesteckt wird – an der Seite befindet sich außerdem eine separate, feuerfeste Einwurföffnung für die Glimmstengel.

"Ein Abfalleimer muss heute mehr bieten als eine reine Entsorgungsfunktion"

Neben dem funktionalen Mehrgewinn gegenüber einem konventionellen Müllcontainer liefert der Solar-Presshai noch ein weiteres Kaufargument. „Jede Kommune wünscht sich ein attraktives und ansprechendes Stadtbild. Ein Abfalleimer muss daher heute mehr bieten als eine reine Entsorgungsfunktion“, betont Charles Knecht von der Abfallhai Deutschland GmbH. „Er soll sich als Teil eines ästhetischen Stadtmobiliars auch gut der Umgebung anpassen. Dann entsorgt man darin auch gerne seinen Abfall und so bleibt die Stadt noch sauberer. Denn kein Mensch hat Lust, etwas in einen versifften Abfalleimer zu stopfen, wo es seitlich raustropft oder oben schon alles rausquillt“, so Knecht. Möglicherweise werden nach einem erfolgreichen Verlauf der Testphase schon bald weitere Presshaie in Karlsruhe „ausgewildert“.