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Verkehrsbetriebe Karlsruhe testen Rückschaukamera in Trambahn

Immer alles im Blick: Marcus Siebentritt vom VBK-Flottenmanagement erprobt bei einer Testfahrt die neue Rückschaukamera in einer Trambahn.

Eine Kamera als Außenspiegel-Ersatz: Rund 37 Meter lang und 2,65 Meter breit sind die Trambahnen der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) vom Typ NET2012. Mit ausgeklappten Außenspiegeln sind es noch ein paar Zentimeter mehr. Gerade das Fahren im Innenstadtbereich mit vielen anderen Verkehrsteilnehmern stellt die Fahrer immer wieder vor Herausfor-
derungen  ̶  insbesondere dann, wenn sich der Fahrweg situativ verengt, etwa durch in zweiter Reihe oder gar falsch parkende LKWs oder Autos. Dann ist Fingerspitzengefühl am Fahrhebel und ein gutes Augenmaß erforderlich, um die bis zu 83 Tonnen schweren Bahnen ohne teure Schrammen an dem stehenden Hindernis vorbei zu manövrieren.

„Unser Fahrerinnen und Fahrer müssen sehr oft und präzise entscheiden, ob sie mit der Bahn eine schmale Stelle noch passieren können, ohne dabei zum Beispiel bei einem parkenden LKW den Außenspiegel zu beschädigen, oder ob sie selbst den eigenen Außenspiegel bei der Bahn einklappen müssen, um damit nicht irgendwo hängenzubleiben“, erklärt Ralf Messerschmidt, Leiter des Fahrbetriebs bei den VBK.

Ein paar Zentimeter können viel ausmachen

Meist sind es nur wenige Zentimeter, die ein Auto, LKW oder anderes unerwartetes Hindernis zu weit in den Fahrweg der Trambahn hineinragt – die Folgen sind allerdings groß: Wenn die Straßenbahn die Stelle nicht passieren kann, kommen oftmals Hunderte Fahrgäste nicht weiter. „Das ist vor allem auch in den Hauptverkehrszeiten ein Problem, wenn sich an engen Stellen dann auch schnell Staus bilden.“

Mit dem Einbau einer Rückschaukamera, die den konventionellen Außenspiegel ersetzt, wollen die VBK ihren Bahnen nun eine größere „Bewegungsfreiheit“ ermöglichen und die Verkehrssicherheit erhöhen. In einer Niederflur-Bahn hat das kommunale Verkehrsunternehmen für Testzwecke eine solche Kamera als „elektronischer Außenspiegel“ eingebaut. Die Kamera schließt mit der Karosserie der Bahn ab und ragt nicht wie ein herkömmlicher Außenspiegel in den Straßenraum. „Das macht gut 20 Zentimeter pro Fahrzeugseite aus“, beschreibt Messerschmidt die große Platzersparnis. Die unscheinbar verbaute Kamera befindet sich links von der Tür zur Fahrerkabine oberhalb des ersten Fahrgastraum-Fensters.

Test des Kamerasystems bei Wind und Wetter

Der dazugehörige Beobachtungsmonitor, auf den das Bildsignal der Kamera übertragen wird, ist während der Testphase an der rechten A-Säule in der Fahrerkabine angebracht und liegt somit in der Blickrichtung, in der sich auch der konventionelle Außenspiegel befindet. Dieser bleibt während der Erprobung des Kamerasystems zunächst unverändert erhalten, soll aber bei einem erfolgreichen Testverlauf vollständig durch die Kamera ersetzt werden. Diese bietet in puncto Sicherheit einen weiteren Vorteil: Bei enger Vorbeifahrt an einem stehenden Hindernis wird – anders als bei einem eingeklappten Spiegel – das Sichtfeld des Fahrers nicht mehr reduziert, sondern er kann gerade in kritischen Situationen durchgehend den Raum neben dem Fahrzeug im Blick behalten.

„In der mehrmonatigen Erprobungsphase geht es zudem auch darum, die Praxistauglichkeit des Systems bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen zu testen, etwa bei tiefstehender Sonne oder bei Dunkelheit“, erklärt VBK-Projektleiter Achim Hettel. „Ebenso wird evaluiert, ob das System auch unter schwierigen Witterungsverhältnissen wie Regen, Eis oder Schnee zuverlässig arbeitet.“

Auch das Thema Datenschutz haben die VBK bei dem Testbetrieb berücksichtigt: Die Bilder der Rückschaukamera werden nicht aufgezeichnet, sondern nur dem Fahrer live auf dem Monitor angezeigt.

Verkehrsbetriebe wollen Instandhaltungskosten reduzieren

Die Kosten für die Anschaffung und Einbau des Kamerasystems liegen in etwa bei dem eines konventionellen Außenspiegels. Neben Sicherheitsaspekten spielen deshalb auch betriebswirtschaftliche Gründe bei der Implementierung des neuen Systems eine Rolle: „Bei rund neun Millionen Kilometern, die unsere Bahnen jedes Jahr zurücklegen, verlieren wir unfallbedingt schon den ein oder anderen Außenspiegel. Deshalb erwarten wir, dass sich durch den Einsatz von Kameras die Instandhaltungskosten bei den Bahnen deutlich reduzieren lassen, weil wir kein Geld mehr für den Ersatz von Spiegeln in die Hand nehmen müssen.“

Im Zuge des Pilotprojekts haben die VBK ergänzend zu der Rückschaukamera auch eine zweite Kamera verbaut, mit deren Hilfe der Fahrer den „toten Winkel“ rechts unterhalb seiner Kabine beobachten kann. Dieses Kamerabild wird auf dem gleichen Monitor in der Fahrerkabine widergegeben wie das Bild der Rückschaukamera und im Haltestellenbereich zugeschaltet – wenn die Bahn steht oder weniger als drei Kilometer pro Stunde fährt: „Hier kann die moderne Technik einen Beitrag zu mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer leisten. Denn gerade wenn die Bahn in eine Haltestelle ein- bzw. ausfährt, können Fußgänger oder Fahrgäste ohne ausreichenden Abstand zum Fahrzeug nicht vom Fahrer gesehen werden. Die Kamera reduziert diesen toten Winkel weitestgehend“, sagt Messerschmidt.